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NR. 7B - NUTZUNG DIGITALER MEDIEN IN DER PFLEGE ZU HAUSE – VIDEOSPRECHSTUNDE

VIDEOSPRECHSTUNDE ALS EIN TEIL DER TELEMEDIZIN

Telemedizin ist ein Überbegriff für verschiedene Möglichkeiten ärztlicher Versorgung, die über räumliche Entfernung erbracht werden. Dabei werden Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt, z. B. nach Operationen, bei langfristigen Behandlungsverläufen oder zur Fernauslesung von Heimbeatmungsgeräten.

Videosprechstunde bedeutet, dass die Sprechstunde mit räumlichen Abstand stattfindet. Dabei läuft das Gespräch zwischen Pflegebedürftigem/Patient und Ärztin oder Arzt ähnlich wie in der Praxis ab. Der Austausch erfolgt online (= mit Internetverbindung) in einem besonders geschützten Bereich, ohne dass ein Besuch in der Arztpraxis/Hausbesuch notwendig ist. Für häusliche Pflegesituationen gibt es die Besonderheit, dass Termine zusammen mit Pflegenden Angehörigen vorbereitet werden und auch stattfinden können.

Übrigens: Auch andere bieten ihre Leistungen als Videosprechstunde an, z. B. Pflegestützpunkte für Pflegeberatungen oder Psychologen für therapeutische Unterstützungen. Auch sie nutzen die vielfältigen Vorteile.

WAS SIND VORTEILE DER VIDEOSPRECHSTUNDE?

Die Videosprechstunde ermöglicht schwer zu planende bzw. durchzuführende Besuche, z. B. bei Menschen mit Demenz oder bei Einschränkungen der Mobilität. Sie reduziert schwierige oder lange Anfahrtswege, Wartezeiten und vermindert das Risiko von Infektionen. Das Besprechen von beispielsweise Röntgenuntersuchungen, Laborbefunden, Blutdruckwerten oder, im Falle einer Heimbeatmung, zum Umgang mit Hilfsmitteln und medizinischen Geräten, ist auf diesem Weg gut umzusetzen. Äußere körperliche Probleme, wie z. B. eine Druckstelle, Wunde, der Sitz der Beatmungsmaske und die Einstellung des Sauerstoffgerätes, sind in der Videosprechstunde gut zu zeigen und zu besprechen. Es gibt aber auch Grenzen: für medizinische körperliche Untersuchungen, wie z. B. das Abhören der Lunge, ist der persönliche Kontakt unbedingt notwendig.

DIE ROLLE PFLEGENDER ANGEHÖRIGER

In der Pflegesituation zu Hause bieten Videosprechstunden die Möglichkeit Pflegende Angehörige einzubinden. Manchmal sind sie stellvertretend das Gegenüber im Gespräch, z. B. bei beatmungspflichtigen Menschen. Ihre Rolle als Begleiter, Kümmerer, Unterstützer oder auch Sprachrohr für die Pflegebedürftigen/Patienten ist eine besondere Chance. Deshalb sollen hier für alle Beteiligten die Perspektiven dargestellt werden.

FÜR PFLEGENDE ANGEHÖRIGE

Die Praxis bzw. der Pflegestützpunkt wird Sie im Vorfeld informieren und bei der Umsetzung unterstützen. Fragen Sie nach einem Techniktest.

Technische Voraussetzung:

  • Hardware (= Computer, Tablet oder Smartphone) mit Bildschirm, Kamera, Mikrofon und Lautsprecher
  • Internetverbindung (= mobiles Internet vom Mobilfunkanbieter oder WLAN vom häuslichen Telefonanbieter), aufladbare Telefonkarten (= Prepaid Karten) eignen sich nicht, da das Datenvolumen meist begrenzt und schnell aufgebraucht ist
  • Systemvoraussetzungen, z. B. bestimmter Internetbrowser
  • Um den Link (= Verknüpfung) zur Internetseite des Videodienstanbieters und den Zugangscode zur Teilnahme an der Videosprechstunde zu erhalten, benötigen Sie eine gültige E-Mailadresse (oder ein Mobilfunkgerät mit SMS-Funktion)

Empfehlungen zur Umsetzung:

  • Klärung vor dem Termin, ob Sie als Pflegender Angehöriger den Pflegebedürftigen/Patienten nur zur Vorbereitung und Eröffnung des Termins oder auch im Gespräch begleiten
  • Sicherstellen, dass der Pflegebedürftige/Patient gut zu sehen und hören ist und gut gehört und gesehen werden kann, denn er/sie ist die Hauptperson
  • Prüfen, ob das Übertragungs-/Videogerät beweglich ist, um etwas zu zeigen, ggf. eine Stütze für Smartphone oder Tablet, damit das Bild nicht verwackelt
  • Berücksichtigung der Lichtverhältnisse: am besten kommt das Licht von der Seite, vom Fenster oder einer Lampe (nicht von hinten)
  • Vorbereitung auf die Sprechstunde: Fragen notieren und Materialien (z. B. Unterlagen für die Beratung, Medikamentenplan, oder auch Beatmungsmaske, Schlauch, Filter, Trachealkanüle) bereitlegen, um diese zeigen zu können
  • Pünktliches Einwählen, d. h. Betreten des Sprechzimmers ca. 5 Minuten vorher

FÜR PRAXEN, PFLEGESTÜTZPUNKTE ODER WEITERE ANBIETER

Empfehlungen zur Umsetzung und Beteiligung von Pflegenden Angehörigen:

  • Anbieten eines Techniktests
  • Erinnern an den Termin, wenn möglich
  • Fragen, ob es dem Pflegebedürftigen/Patienten recht ist, wenn der Pflegende Angehörige dabei ist und dieser das Gespräch führt bzw. Fragen beantwortet
  • Geduld haben für die notwendige digitale Befähigung und Anleitung (konkrete Hinweise, z. B. welche Taste oder welcher Knopf jetzt betätigt werden soll bzw. wohin die Kamera gedreht werden muss)
  • Verständnis zeigen für die Rolle der Pflegenden Angehörigen, die auch körperlich und seelisch besonders belastet sein können

Wir wünschen Ihnen gemeinsam dafür gutes Gelingen!

Erfahren Sie mehr zu dem Thema auf dem PfiFf-Themenblatt Nr. 7 und Nr. 7a.

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