Diese Informationen wurden Ihnen von dem Projekt PfiFf – Pflege in Familien fördern der AOK Nordost - Die
Gesundheitskasse am 17.07.2026 17:26 bereitgestellt.
Ein Ulcus cruris ist eine offene Wunde am Unterschenkel. Umgangssprachlich wird es auch „offenes Bein“ genannt.
Die Wunde entsteht meist, weil die Durchblutung im Bein gestört ist. Dadurch wird die Haut schlechter versorgt und kann schlechter heilen.
WIE ENTSTEHT EIN ULCUS CRURIS?
Ein Ulcus cruris entsteht häufig durch Erkrankungen der Venen oder Arterien.
Es gibt drei häufige Formen:
Ulcus cruris venosum: Die Venen transportieren das Blut nicht mehr gut zum Herzen zurück. Das Blut staut sich im Bein.
Ulcus cruris arteriosum: Die Arterien bringen zu wenig Blut und Sauerstoff in das Gewebe.
Ulcus cruris mixtum: Venen und Arterien sind beide betroffen.
Wichtig ist: Die Ursache muss ärztlich abgeklärt werden, weil die Behandlung davon abhängt.
WELCHE RISIKOFAKTOREN GIBT ES?
Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel bei:
höherem Lebensalter
Bewegungsmangel
Übergewicht
Diabetes mellitus
Rauchen
Bluthochdruck
Fettstoffwechselstörungen
Krampfadern
früheren Thrombosen oder Venenentzündungen
Verletzungen oder schlecht heilenden Wunden
WELCHE KRANKHEITSZEICHEN GIBT ES?
Mögliche Anzeichen sind:
offene Wunde am Unterschenkel
Schwellungen an Fußknöcheln oder Unterschenkeln
Hautverfärbungen
Schmerzen
Spannungsgefühl
Kribbeln oder Kältegefühl
schlecht heilende Wunden
Veränderungen an Haut oder Nägeln
Bei venösen Ursachen sind die Beine oft geschwollen und die Haut kann bräunlich verfärbt sein.
Bei arteriellen Ursachen können die Beine eher kalt, blass oder bläulich wirken. Schmerzen treten häufig bei Belastung auf.
WELCHE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN GIBT ES?
Die Behandlung richtet sich nach der individuellen Situation und erfolgt in Abstimmung zwischen Arzt, Wundspezialisten, Pflegefachkraft, Betroffenen und pflegenden Angehörigen. Sowohl die Wunde als auch die Grunderkrankung müssen behandelt werden.
Mögliche Behandlungsmethoden:
Wundversorgung
Kompressionstherapie
Medikamentöse Therapie
Chirurgische Wundbehandlung
Regelmäßige Wundpflege und -dokumentation sind dabei zentral.
KOMPRESSIONSTHERAPIE
Kompression kann bei einem venösen Ulcus cruris sehr wichtig sein. Sie hilft, Schwellungen zu verringern und den Rückfluss des Blutes zu unterstützen.
Kompression muss fachgerecht angepasst und angelegt werden.
Wichtig ist:
Kompression nur nach ärztlicher Abklärung anwenden
auf Schmerzen, Taubheitsgefühl oder kalte Zehen achten
Strümpfe oder Verbände regelmäßig kontrollieren
bei Problemen fachlichen Rat einholen
Bei neuen oder zunehmenden Schmerzen, Taubheitsgefühl oder kalten/bläulichen Zehen sollte die Kompression nicht weiter angewendet und fachlicher Rat eingeholt werden.
PFLEGERISCHES MOTTO UND HINWEISE ZUR PFLEGE
Ein hilfreicher Grundsatz ist: „Wunde schützen, Durchblutung fördern und Veränderungen früh erkennen.“
Pflegende An- und Zugehörige können unterstützen, indem sie:
Verband und Wundumgebung beobachten
auf Schmerzen, Geruch, Rötung oder Nässen achten
Hautpflege nach Anleitung unterstützen
Bewegung fördern
Beine je nach Ursache richtig lagern
Medikamente und Arzttermine im Blick behalten
Veränderungen früh an Fachpersonen weitergeben
Hilfreich sind:
regelmäßige Bewegung im Rahmen der Möglichkeiten
langes Stehen oder Sitzen vermeiden
bequeme, nicht einschnürende Kleidung tragen
gut passende Schuhe nutzen
Haut vor Verletzungen schützen
Stolperfallen vermeiden
Wundverband sauber und trocken halten
Bei venösen Beschwerden kann Hochlagern der Beine entlasten. Bei arteriellen Beschwerden sollte die Lagerung ärztlich besprochen werden.
Die Wundversorgung sollte durch Fachpersonen angeleitet oder durchgeführt werden.
Wichtig ist:
Verband nur nach Anleitung wechseln
Wunde nicht eigenständig mit Hausmitteln behandeln
Haut um die Wunde schonend pflegen
auf neue Rötung, Wärme, Schwellung, Geruch oder stärkere Schmerzen achten
bei Fieber oder deutlicher Verschlechterung ärztliche Hilfe holen
HINWEISE ZUR SELBSTPFLEGE
Die Begleitung eines Menschen mit chronischer Wunde kann belastend sein. Die Wundheilung braucht oft viel Zeit und Geduld.
Pflegende An- und Zugehörige sollten auch auf sich selbst achten.
Hilfreich sind:
Unterstützung durch Pflegedienste oder Wundexpertinnen und Wundexperten
Beratung durch Pflegestützpunkte
Schulung zur Wundversorgung und Kompression
Pausen und Entlastung im Alltag
Austausch mit anderen Betroffenen oder Angehörigen