Diese Informationen wurden Ihnen von dem Projekt PfiFf – Pflege in Familien fördern der AOK Nordost - Die
Gesundheitskasse am 18.06.2026 14:33 bereitgestellt.
Sucht ist eine Erkrankung. Betroffene haben ein starkes Verlangen nach einer bestimmten Substanz oder einem bestimmten Verhalten. Das können zum Beispiel sein:
Alkohol
Medikamente
Nikotin
illegale Drogen oder andere Suchtmittel
Glücksspiel
übermäßige Nutzung von Medien oder Internet
Das Verlangen kann so stark werden, dass Betroffene den Konsum oder das Verhalten kaum noch kontrollieren können.
Mit der Zeit kann es sein, dass immer mehr von der Substanz oder dem Verhalten gebraucht wird, um die gleiche Wirkung zu spüren. Wenn die Substanz oder das Verhalten fehlt, können Entzugserscheinungen auftreten.
Sucht beeinflusst Denken, Fühlen und Verhalten. Sie kann die Gesundheit, Beziehungen, Arbeit und den Alltag stark belasten.
Sucht ist keine Charakterschwäche. Sie ist eine Erkrankung, die professionelle Hilfe erfordern kann.
WIE ENTSTEHT SUCHT?
Sucht entsteht meist durch mehrere Ursachen. Dazu gehören:
Körperliche Wirkung: Manche Substanzen verändern Vorgänge im Gehirn. Sie können angenehme Gefühle auslösen oder unangenehme Gefühle dämpfen.
Gewohnheit: Wenn etwas häufig konsumiert oder getan wird, kann daraus ein festes Muster entstehen.
Seelische Belastungen: Manche Menschen nutzen Suchtmittel oder bestimmte Verhaltensweisen, um Stress, Sorgen, Schmerzen oder Einsamkeit auszuhalten.
Umfeld: Wenn im Umfeld viel konsumiert wird, kann das Risiko steigen.
Veranlagung: Manche Menschen haben ein höheres Risiko, eine Sucht zu entwickeln, zum Beispiel wenn es in der Familie bereits Suchterkrankungen gab.
WELCHE KRANKHEITSZEICHEN GIBT ES?
Anzeichen einer Sucht können sein:
starkes Verlangen nach der Substanz oder dem Verhalten
Schwierigkeiten, den Konsum oder das Verhalten zu reduzieren oder zu beenden
Kontrollverlust über Menge oder Häufigkeit
Vernachlässigung von Familie, Freunden, Arbeit oder Hobbys
Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmung
Rückzug und Konflikte mit anderen
Verheimlichen des Konsums
Entzugserscheinungen wie Zittern, Schwitzen oder Unruhe
finanzielle Schwierigkeiten
Vernachlässigung der eigenen Gesundheit
Fortsetzen des Konsums trotz negativer Folgen
Nicht alle Anzeichen müssen gleichzeitig auftreten. Die Entwicklung einer Abhängigkeit verläuft oft schleichend.
WANN SOLLTE HILFE GESUCHT WERDEN?
Hilfe sollte möglichst früh gesucht werden, wenn der Konsum oder das Verhalten nicht mehr gut kontrollierbar ist oder bereits Probleme verursacht.
Auch Angehörige können sich beraten lassen, selbst wenn die betroffene Person noch keine Hilfe annehmen möchte.
WELCHE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN GIBT ES?
Die Behandlung richtet sich nach der Art der Sucht und der persönlichen Situation. Mögliche Hilfen sind:
Suchtberatung
Psychotherapie
medizinisch begleiteter Entzug
Medikamente
stationäre Behandlung in einer Fachklinik
Rehabilitation
Selbsthilfegruppen
Nachsorge
Bei Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit sollte ein Entzug ärztlich begleitet werden.
Rückfälle können vorkommen und bedeuten nicht, dass die Behandlung gescheitert ist.
PFLEGERISCHES MOTTO UND HINWEISE ZUR PFLEGE
Ein hilfreicher Grundsatz ist: „Unterstützen, ohne die Verantwortung ganz zu übernehmen.“
An- und Zugehörige können begleiten, ermutigen und praktische Hilfe anbieten. Gleichzeitig ist es wichtig, eigene Grenzen zu setzen und auf sich selbst zu achten. Hilfreich ist:
ruhig und wertschätzend sprechen
Sorgen offen ansprechen
keine Vorwürfe machen
Hilfe anbieten, aber nicht erzwingen
klare Absprachen treffen
professionelle Beratung nutzen
Angehörige sind nicht schuld an der Sucht und können die Erkrankung nicht allein lösen.
Im Alltag können feste Strukturen hilfreich sein.
Dazu gehören:
regelmäßige Mahlzeiten
Schlaf- und Ruhezeiten
Bewegung
gemeinsame suchtfreie Aktivitäten
klare Absprachen
Unterstützung bei Arzt- oder Beratungsterminen
Alkohol, Medikamente oder andere Suchtmittel sollten nicht offen verfügbar sein, wenn dies Rückfälle begünstigt.
Familie und Freunde können wichtige Unterstützung bieten. Sie können zuhören, zur Behandlung ermutigen, bei Terminen unterstützen und Veränderungen früh wahrnehmen.
Wichtig ist aber auch: Angehörige sollten klare Grenzen setzen und sich selbst schützen. Sie sollten den Konsum nicht vertuschen oder dauerhaft die Folgen auffangen. Das kann die Sucht unbeabsichtigt stabilisieren.
In manchen Situationen ist schnelle Hilfe nötig.
Holen Sie ärztliche Hilfe oder rufen Sie den Notruf, wenn zum Beispiel:
Bewusstlosigkeit auftritt
Atemprobleme bestehen
starke Verwirrtheit oder Krampfanfälle auftreten
schwere Entzugserscheinungen auftreten
Suizidgedanken geäußert werden
Gewalt oder akute Selbst- oder Fremdgefährdung droht
Bei akuter Gefahr wählen Sie den Notruf 112.
HINWEISE ZUR SELBSTPFLEGE
Die Sucht eines nahestehenden Menschen kann Angehörige stark belasten.
Achten Sie deshalb auch auf sich selbst:
nutzen Sie Beratungsangebote
sprechen Sie mit vertrauten Menschen
planen Sie Erholungszeiten ein
pflegen Sie eigene Kontakte
setzen Sie Grenzen
achten Sie auf Ihre Gesundheit
Angehörigen- und Selbsthilfegruppen können entlasten und praktische Unterstützung bieten.