Diese Informationen wurden Ihnen von dem Projekt PfiFf – Pflege in Familien fördern der AOK Nordost - Die
Gesundheitskasse am 20.06.2026 17:23 bereitgestellt.
Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns. Bei einer Demenz gehen geistige Fähigkeiten nach und nach verloren.
Dazu gehören zum Beispiel:
Gedächtnis
Orientierung
Sprache
Aufmerksamkeit
Denken und Urteilen
Wiedererkennen von Menschen oder Dingen
Die Einschränkungen wirken sich auf den Alltag aus. Gewohnte Tätigkeiten können nicht mehr so ausgeführt werden wie früher.
WIE ENTSTEHT DEMENZ?
Demenz entsteht durch Veränderungen oder Schäden im Gehirn. Nervenzellen sterben ab oder arbeiten nicht mehr richtig. Dadurch ist die Weiterleitung von Informationen im Gehirn gestört.
Die Ursachen können unterschiedlich sein. Häufige Formen sind die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre Demenz. Die vaskuläre Demenz entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn.
WELCHE DEMENZFORMEN GIBT ES?
Es gibt verschiedene Formen von Demenz:
Primäre Demenz: Das Gehirn selbst ist erkrankt. Dazu gehören zum Beispiel Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz, Lewy-Body-Demenz und frontotemporale Demenz.
Sekundäre Demenz: Die Ursache liegt in einer anderen Erkrankung, zum Beispiel einer Schilddrüsenunterfunktion oder einem Vitamin-B12-Mangel. Diese Form kann teilweise behandelbar sein.
Mischformen: Dabei treten mehrere Demenzformen gemeinsam auf, zum Beispiel Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenz.
WAS SIND RISIKOFAKTOREN?
Einige Faktoren können das Risiko für eine Demenz erhöhen. Dazu gehören:
Bluthochdruck
Diabetes mellitus
Herzrhythmusstörungen
erhöhte Blutfettwerte
Rauchen
übermäßiger Alkoholkonsum
Übergewicht
WELCHE KRANKHEITSZEICHEN GIBT ES?
Eine Demenz zeigt sich nicht nur durch Vergesslichkeit. Auch andere geistige Fähigkeiten und das Verhalten können betroffen sein.
Mögliche Krankheitszeichen sind:
zunehmende Vergesslichkeit
Probleme mit Orientierung, Zeit und Ort
Wortfindungsstörungen
Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen
nachlassende Aufmerksamkeit
verändertes Urteilsvermögen
Rückzug aus sozialen Kontakten
Angst, Unruhe oder depressive Stimmung
Veränderungen im Verhalten oder in der Persönlichkeit
Wenn Gedächtnis, Orientierung, Sprache oder Verhalten sich verändern, sollte dies ärztlich abgeklärt werden. Nicht jede Vergesslichkeit bedeutet Demenz. Manchmal können auch andere Ursachen dahinterstehen, zum Beispiel Depressionen, Flüssigkeitsmangel, Medikamente, Infektionen oder Stoffwechselstörungen.
AUSWIRKUNGEN AUF DEN ALLTAG
Mit Fortschreiten der Erkrankung fallen gewohnte Tätigkeiten immer schwerer. Dazu gehören zum Beispiel:
Termine einhalten
Geldangelegenheiten regeln
einkaufen
kochen
telefonieren
sich anziehen
Körperpflege durchführen
soziale Kontakte pflegen
WIE VERLÄUFT EINE DEMENZ?
Der Verlauf ist bei jedem Menschen unterschiedlich.
Am Anfang treten häufig kleine Vergesslichkeiten auf. Betroffene verlegen Dinge, suchen nach Worten oder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.
Viele merken, dass sich etwas verändert. Das kann traurig, unsicher, gereizt oder ängstlich machen.
Im weiteren Verlauf brauchen Betroffene zunehmend Unterstützung im Alltag. Das Zeit- und Ortsgefühl lässt nach. Sprache und Erinnerungen werden schwächer.
Manche Menschen suchen nach verstorbenen Angehörigen oder möchten zur Arbeit gehen. Für sie kann sich diese Situation sehr wirklich anfühlen.
Im Spätstadium sind Betroffene vollständig auf Pflege angewiesen. Sie können oft nicht mehr selbstständig essen, gehen oder aufstehen. Auch die Kontrolle über Blase und Darm kann verloren gehen.
Gespräche werden schwieriger. Angehörige werden manchmal nicht mehr erkannt.
WELCHE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN GIBT ES?
Demenz ist meist nicht heilbar. Die Behandlung kann aber helfen, Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten und das Wohlbefinden zu verbessern.
Wichtig sind:
gute medizinische Versorgung
ärztliche Abklärung und Behandlung von Begleiterkrankungen
Behandlung von Schmerzen, Schlafproblemen, Unruhe oder Depressionen
ausreichend Essen und Trinken
Bewegung und Aktivierung
Vermeidung von Überforderung
Unterstützung durch Angehörige und Fachkräfte
Bei einigen Demenzformen können Medikamente eingesetzt werden. Sie können geistige Fähigkeiten und Alltagsfähigkeiten für eine gewisse Zeit unterstützen.
Auch nicht-medikamentöse Angebote können hilfreich sein, zum Beispiel Musik, Bewegung, Erinnerungsarbeit, Beschäftigung oder gemeinsames Singen.
PFLEGERISCHES MOTTO UND HINWEISE ZUR PFLEGE
Ein hilfreicher Grundsatz ist: „Menschen mit Demenz dort abholen, wo sie gerade sind.“
Dinge lassen sich oft nicht mehr mit Argumenten erklären. Wichtiger sind Ruhe, Verständnis und Einfühlungsvermögen.
Hektik, Druck und viele Reize können Menschen mit Demenz überfordern. Ein ruhiger Umgang, feste Abläufe und vertraute Gegenstände geben Sicherheit.
Herausforderndes Verhalten kann bei Demenz auftreten, zum Beispiel Unruhe, Misstrauen, Aggression, ständiges Fragen oder Weglaufen. Häufig steckt dahinter Angst, Unsicherheit, Überforderung oder das Gefühl, sich nicht zurechtzufinden. Versuchen Sie ruhig zu bleiben und die Ursache des Verhaltens zu verstehen.
Mit Fortschreiten der Demenz kann es zu Gefahren im Alltag kommen. Achten Sie deshalb auf eine sichere Umgebung.
Wichtig sind zum Beispiel:
Stolperfallen vermeiden
für gute Beleuchtung sorgen
Medikamente sicher aufbewahren
Herd, Elektrogeräte und Kerzen im Blick behalten
Orientierungshilfen in der Wohnung nutzen
bei Weglaufgefahr für Sicherheit sorgen
das Thema Autofahren frühzeitig besprechen
Menschen mit Demenz sollten so lange wie möglich in den Alltag einbezogen werden.
Geeignete Tätigkeiten können sein:
Wäsche falten
Tisch decken
Salat zupfen
abstauben
gemeinsam backen
Fotos anschauen
Musik hören oder singen
spazieren gehen
Wichtig ist nicht, dass alles richtig gemacht wird. Wichtig ist die Freude am Tun und das Gefühl, gebraucht zu werden.
Die Lebensgeschichte eines Menschen kann helfen, ihn besser zu verstehen.
Hilfreich sind Informationen über:
frühere Berufe
Familie
Hobbys
Gewohnheiten
Lieblingsmusik
Lieblingsessen
wichtige Orte und Erlebnisse
Fotos, vertraute Gegenstände, Gerüche, Musik oder frühere Tätigkeiten können Erinnerungen wecken und Sicherheit geben.
Gemeinsames Essen kann Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.
Achten Sie auf:
regelmäßige Mahlzeiten
ausreichendes Trinken
ruhige Atmosphäre beim Essen
kleine Portionen
einfache Speisen
Fingerfood, wenn Besteck schwerfällt
Manche Menschen mit Demenz essen zu wenig oder merken nicht, wann sie satt sind. Beobachten Sie deshalb die Essens- und Trinkmenge.
Demenz verändert die Kommunikation. Betroffene finden Wörter schwerer, verlieren den Gesprächsfaden oder verstehen Fragen nicht mehr gut.
Hilfreich ist:
kurze und einfache Sätze verwenden
langsam und ruhig sprechen
Zeit zum Antworten geben
Blickkontakt halten
freundlich bleiben
Ja-Nein-Fragen stellen
keine „Quizfragen“ stellen
Mimik, Gestik, Fotos oder Gegenstände nutzen
Achten Sie besonders auf Gefühle. Hinter Aussagen stehen oft Angst, Unsicherheit, Traurigkeit oder ein Bedürfnis nach Nähe.
Zuwendung und Nähe sind wichtig. Eine Berührung, das Halten der Hand oder eine Umarmung können Sicherheit geben, wenn die betroffene Person das mag.
Auch vertraute Gegenstände, Musik, Natur, Tiere, Besuche und feste Tagesstrukturen können beruhigend wirken.
HINWEISE ZUR SELBSTPFLEGE
Die Pflege eines Menschen mit Demenz kann körperlich und seelisch belastend sein. Pflegende An- und Zugehörige sollten deshalb auch auf ihre eigene Gesundheit achten.
Hilfreich können sein:
Informationen über Demenz einholen, um die Erkrankung besser zu verstehen
Unterstützung durch Familie, Freunde oder Nachbarn annehmen
ambulante Pflegedienste nutzen
Tagespflege oder Verhinderungspflege in Anspruch nehmen
Gesprächsgruppen oder Selbsthilfeangebote besuchen
regelmäßige Pausen und eigene Freizeit einplanen
soziale Kontakte pflegen
auf ausreichend Bewegung und Erholung achten
Auch Pflegestützpunkte, Demenzberatungsstellen, Pflegekurse und die Alzheimer-Gesellschaft können beraten und entlasten. Dort erhalten Angehörige Informationen zu Unterstützungsangeboten, Entlastungsleistungen und zum Umgang mit schwierigen Situationen.
Es ist wichtig, rechtzeitig Hilfe anzunehmen. Das schützt die eigene Gesundheit und kann die Pflege langfristig erleichtern.