CHRONISCHE NIERENINSUFFIZIENZ

WAS IST EINE CHRONISCHE NIERENINSUFFIZIENZ)

Eine chronische Niereninsuffizienz (cNI) ist eine langsam zunehmende und dauerhaft bestehende Einschränkung der Nierenfunktion. Diese führt irgendwann dazu, dass sie nicht mehr funktioniert. Dann spricht man von einem Nierenversagen mit Harnvergiftung (Urämie).

WAS SIND DIE HÄUFIGSTEN URSACHEN EINER CHRONISCHEN NIERENINSUFFIZIENZ?

Es gibt zahlreiche Ursachen für das Entstehen einer Niereninsuffizienz. Hauptursachen sind:

  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Chronische Entzündungen der Nieren oder des Nierenbeckens
  • Erkrankungen bei denen sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet (Autoimmunerkrankungen)
  • Erblich bedingte (genetische) Erkrankungen, z.B. Zysten
  • Schmerzmittelbedingte Nierenschädigungen

WELCHE FUNKTIONEN HABEN UNSERE NIEREN?

Die Nieren des Menschen sorgen für einen ausgeglichenen Wasser- und Salzhaushalt des Körpers. Sie regulieren die Filterung und Reinigung des Blutes durch Ausscheidung von Abfallstoffen der arbeitenden Körperzellen (Stoffwechselprodukte und Giftstoffe). Darüber hinaus produzieren sie verschiedene Hormone und regulieren den Blutdruck.

  • Produktion und Ausscheidung von Urin
  • Förderung der Blutbildung (durch die Produktion des Hormons Erythropoetin)
  • Steuerung
    • des Säure-Basen-Haushalts, der den ph-Wert des Blutes in einem relativ konstanten Bereich hält
    • des Elektrolyt-Haushalt (Natrium, Kalium, Kalzium, Phosphat)
    • des Blutdrucks (durch die Ausschüttung des Hormons Renin)
    • des Knochenstoffwechsels (durch die Aktivierung des Vitamin D3)

WELCHE KRANKHEITSZEICHEN GIBT ES BEI NACHLASSENDER NIERENFUNKTION?

Krankheitszeichen (Symptome) entstehen durch Ausfall der verschiedenen Funktionen und können an vielen Orten im Körper auftreten.

  • Hautblässe (durch Blutarmut) und erhöhte Blutungsneigung
  • Gesteigertes Kälteempfinden durch Blutarmut (Anämie)
  • Knochenschwund (renale Osteopathie)
  • Geringeres Wachstum des Körpers durch Hemmung des Wachstumshormons
  • Luftnot durch Zunahme von Flüssigkeit zwischen den Blättern des Brustfells (Pleuraerguss) oder in der Lunge (Lungenödem)
  • Bluthochdruck und Wassereinlagerungen abseits des Zentrums (periphere Ödem Bildung)
  • Luftnot durch eine Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose)
  • Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit, Nachlassen der geistigen (kognitiven) Fähigkeiten, z. B. des Denkens bei zunehmender Blutarmut (Anämie) und Harnvergiftung (Urämie)
  • Juckreiz und eine die Harnvergiftung betreffende Veränderung der Hautfarbe (urämisches Hautkolorit) durch Ablagerung von Giften (Urämietoxinen) in der Haut
  • Intensiver Geruch nach Urin (urämischer Foetor), der in erster Linie die abgeatmete Atemluft und die Schweißbildung der Haut betrifft

WELCHE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN GIBT ES?

Im Vordergrund steht die Behandlung (Therapie) der Grunderkrankung und die Behandlung der Krankheitszeichen (Symptome), z. B. Bluthochdruck, Wassereinlagerungen, Blutarmut und Elektrolytverschiebungen.

Es müssen auch schädigende Faktoren, wie die Einnahme bestimmter nicht verschreibungspflichtiger Schmerzmittel und Rauchen (Nikotinkonsum) vermieden werden.

Eine weitere Säule der Therapie ist eine Diät, welche an die Schwere (das Stadium) der chronischen Niereninsuffizienz angepasst werden muss. Über die Stadien der Niereninsuffizienz erfahren Sie mehr bei Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt.

Infektionskrankheiten müssen früh erkannt und behandelt werden. Impfungen können Infektionen vermeiden.

Bei Fortschreiten der Niereninsuffizienz zum Nierenversagen muss zusammen mit der Ärztin/dem Arzt eine Entscheidung getroffen werden:

  • Weiterführung einer rein konservativen Therapie (best supportive care), z. B. durch Behandlung der Grunderkrankung, Ernährung
  • Beginn von Blutreinigungsverfahren (Nierenersatztherapien), z. B. Blutwäsche (Hämodialyse)
  • Nierentransplantation

WELCHE RISIKOFAKTOREN FÜR EINE NIERENINSUFFIZIENZ GIBT ES?

Es gibt viele Risikofaktoren, welche aber günstig beeinflusst werden können:

  • unbehandelter Bluthochdruck
  • schlecht eingestellter Blutzucker
  • Einnahme von nierenschädigenden Medikamenten, die nicht verschreibungspflichtig sind
  • Fortgesetztes Rauchen (Nikotinkonsum)
  • unbehandelte Infektionen, die einen über einen langen Zeitraum bestehen (chronisch)
  • Übergewicht (Adipositas)

PFLEGE EINES ERKRANKTEN MENSCHEN

Eine chronische Niereninsuffizienz ist nicht heilbar. Deshalb ist die Pflege eines Nierenkranken nicht als vorübergehend, sondern dauerhaft anzusehen. Es besteht eine lebenslange Angewiesenheit auf die Unterstützung durch Technik und Dialyseeinrichtung.

  • Lebensplanung der Familie auf die Erkrankung einstellen
  • Bedürfnisse des Pflegebedürftigen beachten
  • Ängste besprechen: Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung rechtzeitig ansprechen
  • Viel Bewegung an frischer Luft
  • Ausreichend Schlaf
  • Einhaltung der ärztlichen Diätempfehlungen

Zur Vermeidung von Komplikationen und Aufrechterhaltung eines guten Ernährungszustandes sollten Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en gemäß dem Krankheitsstadium berücksichtigt werden. Bitte fragen Sie Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt.

  • Bevorzugt mediterrane Kost/Mittelmeerküche, z. B. Olivenöl, frisches Gemüse und Kräuter, Knoblauch, Fisch
  • Salzarme (Natriumarme) Ernährung
  • Eiweißzufuhr abhängig vom Stadium der Niereninsuffizienz
  • Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz kalium- und phosphatarme Kost
  • Anpassung der Phosphatbinder-Menge an Phosphatgehalt der Nahrung
  • Verstopfung (Obstipation) vermeiden
  • Tägliche Trinkmenge festlegen und einhalten
  • Tägliche Gewichtskontrolle (Zielgewicht festlegen)
  • Tägliche Kontrolle von Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Regelmäßige Blutdruckkontrolle
  • Anpassen der Medikamente gemäß ärztlicher Anordnung
  • Schonende Hautreinigung (pH-neutrale Seife, lauwarmes Wasser)
  • konsequente tägliche Hautpflege bei Juckreiz mit rückfettenden, Harnstoff (Urea)- haltigen Produkten
  • Lichtschutz insbesondere bei/nach der Behandlung, die die normale Funktion des Abwehrsystems (Immunsystem) betrifft

WELCHE BLUTREINIGUNGSVERFAHREN (NIERENERSATZTHERAPIE, DIALYSE) GIBT ES?

Dialyse ist eine Behandlungsform (Therapiemethode), die Stoffe (harnpflichtigen Substanzen), die normalerweise über den Urin ausgeschieden werden, aus dem Blut entfernt. Es werden verschiedenen Formen der Dialyse unterschieden: Hämodialyse (umgangssprachlich: Blutwäsche), Hämofiltration, Hämoperfusion und Peritonealdialyse (umgangssprachlich: Bauchfelldialyse)

Die Hämodialyse findet an einem Dialysegerät in einer Dialyseeinrichtung statt.

Das wichtigste Element der Hämodialyse ist der sogenannte Dialysator. Er besteht aus Röhrchen/langestreckten Hohlräumen mit sehr kleinem Innendurchmesser (Kapillaren). In ihn wird das Blut geleitet, das dort von einer Dialyseflüssigkeit umspült wird. Beim Transport durch die Kapillaren gibt das Blut durch Poren in der Kapillarwand kleinste Bestandteile ab, die in die Spülflüssigkeit übertreten und damit aus dem Blut entfernt werden.

Für die Blutwäsche (Hämodialyse) wird ein Anschluss an das Blutsystem benötigt, der das Blut aus dem Körper in das Dialysegerät transportiert und gereinigt zurückführt.

Es wird eine künstlich angelegte Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene (Dialyseshunt), oft am Arm, geschaffen. Damit wird ein einfacher Anschluss (Shuntpunktion) an das Dialysegerät/Dialyseschläuche erleichtert.

Die Peritonealdialyse findet zu Hause statt.

Die Dialyse erfolgt durch das Bauchfell (Peritoneum), das man sich wie ein zusammengeknülltes Spültuch vorstellen kann. Dieses dient als Dialysemembran.

Durch das Auffüllen des Bauchraums/der Bauchhöhle mit Dialyseflüssigkeit werden über das Bauchfell (Peritoneum) die Abfallstoffe (harnpflichtige Substanzen) herausgefiltert.

Für die Bauchfelldialyse wird ein künstlicher Zugang (Katheter) geschaffen, über den die Schläuche als Verbindung mit der Dialyseflüssigkeit hergestellt (gesteckt/gestöpselt) werden. Die Eintrittsstelle im Bauchfell/in der Bauchhöhle (Katheter) wird auch „exit“ genannt und muss unter keimarmen Bedingungen versorgt werden.

PFLEGERISCHE UNTERSTÜTZUNG BEI HÄMODIALYSE (BLUTWÄSCHE)

  • Psychosoziale Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung, z. B. Abhängigkeit von einem technischen Gerät
  • Pflege des Arms (Shuntpflege): Beobachtung, Reinigung und Hautpflege an den dialysefreien Tagen, keine Blutdruckmessung und keine Blutabnahmen am Shuntarm
  • Entfernung des Pflasters vorsichtig und langsam (Hautverletzungen und Reizungen)
  • Schonung der anderen Blutgefäße für evtl. spätere Shuntanlagen
  • Regelmäßiges Wiegen (Gewichtskontrollen)
  • Trinkmenge: abhängig vom Stadium der chronischen Niereninsuffizienz
  • Blutdruck-Kontrollen
  • Regelmäßige Nahrungsaufnahme
  • häufigere kleinere Mahlzeiten (Magenentleerungsstörung bei Störung der normalen Bewegung des Darms und des Magens (Gastroparese)
  • Bewegungsförderung (Mobilisierung)
  • Vorbeugung vor Lungenentzündung (Pneumonie Prophylaxe)
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Versorgung mit entsprechenden Hilfsmitteln zum Erhalt der Selbständigkeit
  • Besondere Sorgfalt bei der Körperpflege und Hygiene (Dialysepatienten haben eine reduzierte Abwehr gegen Krankheiten)
  • Verbrennungsgefahr bei Diabetikern durch eine Schädigung der peripheren Nerven (Polyneuropathie): keine Wärmeflaschen verwenden
  • Verstopfung (Obstipation) vermeiden, z. B. durch ballaststoffreiche Ernährung und Bewegung

PFLEGERISCHE UNTERSTÜTZUNG BEI PERITONEALDIALYSE

  • Psychosoziale Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung, z. B. Abhängigkeit von einem technischen Gerät
  • Tägliche Beobachtung der Eintrittsstelle am Bauch zur Bauchhöhle

WEITERFÜHRENDE LINKS

Bundesverband Niere e.V. (eigenständige Vereine und Regionalgruppen)

DGfN und Deutsche Nierenstiftung

Selbsthilfe:

Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)

Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle (SEKIS)