KRANKEN­BEOB­ACHTUNG

Ein ganz wichtiger Teil der Krankenpflege ist die Krankenbeobachtung, und zwar mit allen Sinnen. Das heißt, durch Sehen, Riechen, Hören, Fühlen und Tasten wahrzunehmen, was sich am Körper des zu Pflegenden verändert. Nur so kann man vorbeugend und unterstützend tätig werden und unter Umständen frühzeitig eine drohende oder beginnende Erkrankung erkennen.

FÜHLEN/­TASTEN

Wenn wir einen Menschen berühren, spüren wir, ob seine Haut warm oder kalt, trocken oder feucht ist. Die Temperaturveränderungen der Haut sind teilweise ganz normal und hängen von verschiedenen Faktoren ab.

HAUTTEMPERATUR

  • Frieren
  • Minderdurchblutung bei Gefäßschädigungen u. ä.
  • kurz vorm Sterben
  • Schwitzen
  • durch Bewegung oder Sonne/Sauna
  • bei zu warmer Kleidung/Zudecke

SCHWEIßIGKEIT DER HAUT

Man unterscheidet zwei Sorten von Schweißigkeit der Haut:

  • warmer Schweiß = Schwitzen (gesunder Schweiß)
  • Kaltschweißigkeit, d. h. Schwitzen bei kalter Haut = gefährlicher Schweiß

Kaltschweißigkeit kann auftreten bei:

  • Unterzuckerung = Hypoglycämie
  • akutem Kreislaufabfall/Schock
  • als Nebenwirkung von Medikamenten

HÖREN

Auch unser Gehör spielt eine wichtige Rolle bei der Krankenbeobachtung. Mit ihm können wir u.a. folgende Dinge wahrnehmen, die wiederum Rückschlüsse auf drohende/mögliche Erkrankungen zulassen:

  • Sprache
  • Stimme/Stimmung
  • Schmerzen
  • Atmung/Atemgeräusche
  • Magengrummeln/Darmgeräusche (diese sind übrigens ganz normal und erst bei deren Fehlen ist dringend der Arzt zu benachrichtigen!)

RIECHEN

Jeder Mensch hat einen ganz eigenen, individuellen Körpergeruch, den wir genau kennen; auch den Geruch von unseren Partnern, Kindern oder anderen lieben Menschen kennen wir in der Regel gut.

Wenn sich dieser  Geruch verändert, kann das verschiedene Gründe haben:

  • Erkrankungen des Stoffwechseln (Diabetes mellitus, Niere, Leber)
  • Ernährung
  • Medikamente
  • Keime
  • Stress

SEHEN

Mit unseren Augen können wir Veränderungen an unserem Körper wahrnehmen, die uns auf eine drohende oder bestehende Erkrankung hinweisen können. Im Folgenden sind einige von diesen möglichen Auffälligkeiten aufgeführt. Bitte beachten Sie, dass die Beobachtungen und eine mögliche Erklärung nicht eine Abklärung und eine Diagnose durch Ihren Hausarzt oder Facharzt ersetzen!

HAUTFARBE

Veränderung der Hautfarbe und welche Erkrankungen sich dahinter verbergen können:

Allergien, Druckstellen, Bluthochdruck, Entzündungen, Fieberblau/ bläulich

Hämatom/blauer Fleck, bläuliche Verfärbung an den Lippen und den Fingerkuppen: verminderte Sauerstoffversorgung des Körpers

Galle/Leber (Entzündung, Gallenstein, Tumor/Gallenstau)

niedriger Blutdruck, Kreislaufabfall, Blutarmut/Anämie

bei Krebserkrankungen, bei starken Rauchern

SPANNUNG, OBERFLÄCHE UND BESCHAFFENHEIT DER HAUT

Veränderung der Hautspannung:

  • Ödeme (Schwellungen) an den Knöcheln: zu viel Wasser im Gewebe; Test: Eindrücken der Stelle lässt eine Delle zurück; dies kann auf eine Herzschwäche hinweisen
  • Hautfalte bleibt stehen, z. B. an den Unterarmen: zu wenig Wasser im Gewebe; vermutlich wurde mehrere Tage lang zu wenig getrunken

Veränderungen der Hautoberfläche:

  • Pickel, Pusteln, Verhärtungen, Kratzspuren

Beschaffenheit der Haut:

  • trocken, fettig, feucht, schuppig

BEFINDLICHKEIT EINES MENSCHEN

Rückschlüsse über die Befindlichkeit eines Menschen geben uns auch:

  • Gestik und Mimik
  • Lage (im Bett)
  • Gang
  • Haltung
  • Beweglichkeit 

SEHEN UND RIECHEN

AUSSCHEIDUNGEN

Folgende Auffälligkeiten lassen sich unter Umständen bei der Ausscheidung beobachten:

  • Konsistenz
  • Häufigkeit
  • Farbe
  • Geruch
  • Beimengungen

Weiterführende Links

WIE WIRKT DER ANGEHÖRIGE AUF MICH?

Auch im Kontakt mit den Angehörigen gilt es, aufmerksam zu sein und sich ggf. folgende Fragen zu stellen: Ist der Angehörige

  • entspannt?
  • besorgt?
  • misstrauisch/kontrollierend?
  • kooperativ? Nimmt er Hilfe an?
  • Hat der Angehörige einen geordneten Tag-Nacht-Rhythmus?
  • Wie sieht die Wohnung (der Kühlschrank) aus? Aufgeräumt? Faulige Lebensmittel? Urin-Geruch?

Einige der angesprochenen Aspekte können auf eine beginnende Demenz hinweisen und es ist ratsam, diesbezüglich einen Facharzt zu informieren und eine weitere Diagnostik zu beginnen.