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Veranstaltungstipp im Juni: PfiFf-Themennachmittag „Pflege-Wohnformen“ in Berlin-Termine und Informationen finden Sie hier.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ab dem 01.01.2017

Für alle Versicherten, die ab dem 01.01.2017 einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellen, ist das mit dem Pflegestärkungsgesetz II verabschiedete neue Begutachtungsinstrument verbindlich. Der Medizinsche Dienst der Krankenversicherung (MDK) bzw. andere von der Pflegekasse unabhängige beauftragte Gutachter prüfen, ob ein Pflegegrad und welcher Pflegegrad vorliegt. Bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit geht es ab dem 01.01.2017 zentral um die Frage: Was kann der Mensch noch allein und wobei benötigt er Unterstützung?

Die sechs Module

Für die Bestimmung des Pflegegrads sind nach der neuen Definition der Pflegebedürftigkeit sechs Module relevant. Um die gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten so genau wie möglich abbilden zu können, umfasst jedes Modul mehrere Kriterien.

Modul 1 - Mobilität               Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen
Modul 2 - Kognitive und kommunikative FähigkeitenErkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen, Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen, Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben, Verstehen von Sachverhalten und Informationen, Erkennen von Risiken und Gefahren, Mitteilen von elementaren Bedürfnissen, Verstehen von Aufforderungen, Beteiligen an einem Gespräch
Modul 3 - Verhaltensweisen und psychische Problemlagenmotorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, Beschädigen von Gegenständen, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression, andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste, Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, sozial inadäquate Verhaltensweisen, sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen
Modul 4 - SelbstversorgungWaschen des vorderen Oberkörpers, Körperpflege im Bereich des Kopfes, Waschen des Intimbereichs, Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare, An- und Auskleiden des Oberkörpers, An- und Auskleiden des Unterkörpers, mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken, Essen, Trinken, Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urustoma, Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma, Ernährung parenteral oder über Sonde
Modul 5 -       Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten An-forderungen und BelastungenMedikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen und Sauerstoffgabe, Einreibungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel, Verbandwechsel und Wundversorgung, Versorgung mit Stoma, regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung, Zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (bis zu 3. Std.), Zeitlich ausgedehnte Besuche medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (länger als 3 Std.), Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften, Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern
Modul 6 - Gestaltung des Alltagslebens und sozialer KontakteGestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen, sich beschäftigen, Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds

Je nach Einschränkung der Selbständigkeit oder dem Vorhandensein der Fähigkeiten werden vom Gutachter für jedes Kriterium in jedem Modul Punktzahlen vergeben.

Von den Punktzahlen zu Pflegegraden

Die Summe aus jedem der sechs Module wird mit Hilfe von Berechnungstabellen gewichtet:

Modul 1 - Mobilität10 Prozent Gewichtung
Module 2 und 3 - Kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweise und psychische Problemlagen15 Prozent Gewichtung (in die Berechnung fließt das Modul mit der höheren Punktzahl ein)
Modul 4 - Selbstversorgung40 Prozent Gewichtung
Modul 5 - Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen20 Prozent Gewichtung
Modul 6 - Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte15 Prozent Gewichtung






Das so ermittelte Gesamtergebnis kann zwischen 0 und 100 Punkten liegen. Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Gesamtpunktwert mindestens 12,5 Punkte beträgt. Die einzelnen Pflegegrade werden wie folgt bestimmt:

Pflegegrad 1    12,5 Punkte bis unter 27 Punkte
Pflegegrad 2   27 Punkte bis unter 47,5 Punkte
Pflegegrad 3 47,5 Punkte bis unter 70 Punkte
Pflegegrad 4 70 Punkte bis unter 90 Punkte
Pflegegrad 5 90 Punkte bis 100 Punkte


Besonderheiten für Kinder und Jugendliche

Für Kinder und Jugendliche wird das beschriebene Begutachtungsinstrument ebenfalls angewendet. Allerdings gelten hierbei einige Besonderheiten. Bei Kindern unter 12 Jahren kann der Gutachter anhand vorgegebner Altersstufen ablesen, wie sich die Selbständigkeit bei gesunden Kindern entwickelt und inwieweit das pflegebedürftige Kind davon abweicht. Den daraus resultierenden Unterschieden sind feste Punktzahlen zugeordnet.

Kleinkinder bis 18 Monate werden pauschal einen Pflegegrad höher eingestuft. Nach dem 18. Lebensmonat erfolgt die reguläre Einstufung. Hierfür ist keine erneute Begutachtung erforderlich, es sei denn, es sind relevante Veränderungen zu erwarten.

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