Hände

Nächste PfiFf Kurstermine

Informationen zu den nächsten Pflegekursterminen finden Sie hier.

Veranstaltungstipp im Juni: PfiFf-Themennachmittag „Pflege-Wohnformen“ in Berlin-Termine und Informationen finden Sie hier.

Schlaganfall

Schematische Darstellung eines Schlaganfalls
Schematische Darstellung eines Schlaganfalls
© psdesign1 / fotolia.com

Ein Schlaganfall (Apoplex) ist eine akute, plötzlich auftretende Durchblutungsstörung des Gehirns mit neurologischen Ausfällen auf einer Körperhälfte. Ein Apoplex kann durch eine Verstopfung eines Hirngefäßes oder durch eine Hirnblutung verursacht werden.

Symptome

Je nach Schweregrad kommt es zu leichten bis sehr schwerwiegenden Symptomen. Meist treffen die Symptome auf der kontralateralen (gegenüberliegenden) Körperseite auf (z. B. Hirnschlag linke Hirnhälfte, Hemiplegie rechts). Je nachdem, in welcher Hirnhälfte der Apoplex auftritt, kommt es auf der gegenüberliegenden Körperseite zu einer Hemiparese (halbseitige unvollständige Lähmung) oder einer Hemiplegie (halbseitige vollständige Lähmung). Ob Hemiparese oder Hemiplegie und der Grad einer Lähmung (leichte Taubheit oder Schwäche bis zur vollständigen Bewegungsunfähigkeit) richtet sich nach Anzahl der betroffenen Gehirnzellen.

Die relevanten Symthome sind u. a.:

  • Hirnleistungsstörungen: Vergesslichkeit, Konzentrationsverlust
  • psychische Veränderung: Labilität, Aggressivität
  • Apraxie: Störung der Handlungsabläufe (Patient weiss nicht mehr, was man der Reihe nach tun muss) - Sensibilitätsstörungen
  • Parästhesien: anormale Körperempfindung, wie Kribbeln und Einschlafen der Glieder, „Ameisenlaufen“
  • plötzlich eintretende Abwesenheit, Bewusstseinsstörungen, Somnolenz bis hin zu Koma
  • Sprachstörungen, Wortfindungsstörungen
  • Lähmungen: Paresen (insbes. Facialisparese), Hemiplegie (Halbseitenlähmung) ist anfangs schlaff und wird nach Tagen spastisch; betrifft die Lähmung auch den Mund- und Rachenraum, kommt es zu Schluckstörungen
  • Neglect: Ignorieren einer Körperhälfte und des dazu gehörenden Umfeldes

Mögliche Folgen

Spastiken treten häufig Wochen nach dem eigentlichen Apoplex durch eine erhöhte Spannung in den Muskeln der gelähmten Gliedmaßen auf. Physiotherapeutische Behandlungen können sich entscheidend auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Die Empfindungsfähigkeit auf der gelähmten Seite ist beeinträchtigt. Das äußert sich in Schweregefühlen, Kribbel- oder Taubheitsgefühlen und/oder dem Verlust der Wärme- oder Kälteempfindlichkeit der Haut. Häufig wird der gelähmte Teil des Körpers als nicht mehr dazu gehörig empfunden.

Das Sprachzentrum liegt beim Rechtshänder in der linken Gehirnhälfte und beim Linkshänder in der Rechten. Ist das Sprachzentrum betroffen, kann sich eine Aphasie bilden. Eine Aphasie bedeutet Sprachverlust oder Sprachstörung. Sprachverständnis, aber auch die Produktion der Sprache können gestört sein. Die Sprachstörungen gehen mit leichten Wortfindungsstörungen bis hin zum vollständigen Verlust der Sprache einher.

Häufig treten auch Schluckstörungen (Dysphagien) auf. Das kann sich in gelegentlichem Verschlucken äußern, im schlimmsten Fall ist eine orale Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich. Es besteht die Gefahr einer Aspirationspneumonie (Verschlucken von Nahrungsresten, die dann in die Atemwege gelangen).

Kognitive Störungen, wie Defizite in der Aufmerksamkeit, der Erinnerung oder Orientierung, treten oftmals auf. Eine schwerwiegende Folge ist die Apraxie, die eine Störung der Ausführung willkürlicher zielgerichteter und geordneter Bewegungen bezeichnet. Betroffene sind dann nicht oder nur unter großen Bemühungen in der Lage, komplizierte Bewegungsabläufe zu vollführen. Das Anziehen eines Kleidungsstückes bereitet beispielsweise Probleme, weil die Fähigkeit fehlt, die notwendigen Bewegungen im Gehirn zu entwerfen und Einzelbewegungen zu einem flüssigen Ablauf zusammenzusetzen.

Psychische Veränderung, wie Labilität, Aggressivität, Anzüglichkeit, Rückzug, gesellschaftliche Isolierung, Depressionen, gestörtes Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl,sind häufige Folgen.

Ein Apoplex kann auch chronische Kopfschmerzen auslösen und/oder anhaltende Übelkeit und Erbrechen. Ein schwerer Apoplex führt zu Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit bzw. zum Koma.

Rehabilitation

Nach der akuten Phase geht es darum, dass die Patienten verloren gegangene Fähigkeiten möglichst wieder erlernen. Teilweise können andere Regionen des Gehirns die Funktionen der ausgefallenen Bereiche übernehmen. Hilfreich ist dabei auch die Arbeit der Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie. Am wichtigsten ist jedoch, frühestmöglich mit der Pflege und Therapie nach dem Bobath-Konzept zu beginnen.

Komplikationen

Viele der Komplikationen nach einem Apoplex treten auf Grund der evtl. Bettlägerigkeit auf.

Mögliche Komplikationen sind:

  • Pneumonie aufgrund der mangelnden Belüftung der Lunge
  • Dekubitus aufgrund der Bettlägerigkeit und im Zusammenhang mit den Sensibilitätsstörungen
  • Harnwegsinfekte aufgrund der zum Teil eingeschränkten Blasen- und Nierentätigkeit
  • Spastiken, weil hemmende Signale (vom Hirn) fehlen, um die Tonusregulation des Rückenmarks zu kontrollieren
  • Kontrakturen/Gelenkversteifungen aufgrund falscher Lagerung und der fehlenden Aktivität
  • Muskelatrophien (Muskelschwund), da sich Muskelgewebe zurückbildet, wenn es keine Signale mehr erhält

Weitere Versorgung

Wichtig für die weitere Versorgung sind:

  • eine gesunde Lebensführung, Einstellung des Rauchens, Gewichtsreduktion bei Adipositas, normale Blutfett- und Blutdruckwerte, Bewegung
  • die Anwendung vom Bobath-Konzept und dadurch Regulierung des Muskeltonus sowie die Förderung der funktionellen Bewegung und Wahrnehmung auf der mehr betroffenen Seite
  • Vermeidung von Sekundärerkrankungen durch exakte Durchführung der Prophylaxen (Lagerung, Hautschutz, Mobilisation etc.)

Bobath-Konzept

Ziele des Konzeptes sind:
  • die Regulierung des Muskeltonus: Der Betroffene soll möglichst viele Bewegungen alleine durchführen (wenn erforderlich, Hand des Betroffenen führen - Anbahnung von funktioneller Bewegung auf der betroffenen Seite)
  • eine Reizverstärkung, z. B. mittels rauer Waschlappen (Frotteesocken) oder Handtücher
  • die Verbesserung der Wahrnehmung, z. B. durch etwas Druck beim Waschen (Beginn im Gesicht, Abschnitt für Abschnitt langsam streichen)

Grundsätzlich sollten alle Aktivitäten auf der betroffenen Seite beginnen!

Lagerung auf betroffener Seite
Lagerung auf betroffener Seite

Lagerungen

Auf der betroffenen Seite

Es werden drei Kissen benötigt. Es ist wichtig, dass der Patient in der Seitenlage nicht auf dem Schultergelenk liegt. Der Arm wird deshalb gestreckt und mit nach oben zeigender, offener Handfläche nach vorn abgelegt. Das betroffene Bein wird gestreckt. Das Bein der gesunden Seite wird gebeugt und auf ein Kissen abgelegt; das Becken ist dabei leicht nach vorn gebeugt. Ein fest zusammengerolltes Kissen hinter dem Rücken verhindert das Zurückrollen, während das dritte Kissen den Kopf stützt.

Lagerung auf der gesunden Seite
Lagerung auf der gesunden Seite

Auf der gesunden Seite

Es werden vier Kissen benötigt. Ein Kissen für den Kopf, ein Kissen für den Rücken, um das Zurückrollen zu verhindern, und jeweils ein Kissen zur Lagerung des betroffenen Arms und des betroffenen Beins. Der gelähmte Arm wird mit flacher Hand nach vorne gestreckt und das Kissen weit in die Achselhöhle geschoben, damit der Arm locker liegen kann. Das gelähmte Bein wird etwa im 90-Grad-Winkel auf dem Kissen gelagert. Wichtig ist, dass sich der gesamte Fuß auf dem Kissen befindet und Knie und Hüfte in der Horizontalen auf gleicher Höhe sind.

Zimmergestaltung

Eine Halbseitenlähmung lässt sich nach einem Schlaganfall oftmals verbessern, indem ihre Wahrnehmung und Funktion gefördert und gefordert wird. Das bedeutet für die Zimmergestaltung: Das Bett sollte so aufgestellt sein, dass der Patient über die erkrankte Seite in das Zimmer hinein blickt. Die gesunde Seite zeigt auf diesem Bild, also zur Wand. Auch das Aufstehen aus dem Bett und der Kontakt zu anderen Personen sollte immer über die betroffene Körperseite stattfinden. Besucher sollten sich also möglichst auf dieser Seite des Patienten bewegen.

Unterstützung beim Kleiden

Das Anziehen beginnt ebenfalls mit der betroffenen Seite. Auch hier gilt: Der Patient sitzt am besten auf einem Stuhl. Auch die Bettkante ist nicht geeignet, da sie oft rutschig ist und weniger Freiraum für Bewegung bietet. Auf einem Stuhl hingegen kann der Patient die Beine auch ganz auf die rechte oder linke Seite bewegen. Das Ausziehen findet in umgekehrter Reihenfolge statt: Der Patient beginnt in mit der gesunden Seite.

Unterstützung bei der Körperpflege

Im Bett

Die Ansprache des Patienten geschieht erneut über die betroffene Seite. Der Patient soll dabei soviel wie möglich selbst übernehmen. Die Pflegeperson reicht z. B. den vorbereiteten Waschhandschuh oder das Handtuch. Der Unterkörper könnte in Seitenlage gewaschen werden, der betroffene Arm im Blickfeld des Patienten und er könnte ggf. den Intimbereich selbst waschen.

Am Waschbecken

Voraussetzung ist ein stabiler Sitz, beide Beine stehen auf dem Boden, Fußstützen werden entfernt. Die Pflegeperson steht auf der betroffenen Seite und unterstützt, reicht an oder kompensiert.

Unterstützung beim Essen

Es ist auf eine korrekte Sitzposition, wenn möglich am Tisch, hinzuwirken. Ansonsten ist auf einen aufrechten, leicht nach vorn gebeugten Oberkörper des zu Pflegenden zu achten.

  • Zahnprothesen einsetzen
  • Speisen ggf. mundgerecht vorbereiten
  • Häppchen schneiden o. ä.
  • Getränk oder Suppen andicken
  • keine Speisen, die Fäden ziehen (Rindfleisch, frischer Spinat, Spargel)
  • Patient an das Kauen und Schlucken erinnern
  • bei dem Verbleib von Speiseresten in der Wangentasche den Patienten auffordern diese mit der eigenen Zunge zu spüren.

Unterstützen beim Kommunizieren

Auch mit Schlaganfallpatienten ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben, das heißt:

  • mit dem Patienten sprechen, nicht über ihn hinweg
  • Fragen stellen, die mit ja oder nein beantwortet werden können
  • normal, aber langsam mit dem Betroffenen sprechen
  • das Gesprochene mit Mimik oder Gestik unterstreichen

Versorgung mit Hilfsgeräten

Noch während der Therapie muss die Versorgung mit den notwendigen Hilfsgeräten beginnen. Je nach Ausprägung werden verschiedene Hilfen für den Alltag zuhause benötigt, deren Benutzung besser unter Anleitung trainiert wird. An erster Stelle stehen Mobiltätshilfen, wie z. B. der Einhänder-Rollstuhl (evtl. mit Therapietisch) und Hilfsgeräte für Küche und Essenseinnnahme. Damit soll eine weitgehende Selbständigkeit über weite Strecken des Tages ermöglicht werden.

Aufstehen
Aufstehen

Transfer/Mobilisation

Unterstützung bei Bewegungen innerhalb und außerhalb des Bettes

Auch beim Transfer vom Bett in den Rollstuhl hinein sollte immer die betroffene Körperseite führen. Das ist wichtig, weil dadurch sowohl das Körpergefühl als auch die Gewichtsbelastung über die betroffene Seite geschult werden.

Der Rollstuhl sollte beim Transfer mit den Armlehnen parallel zum Bett stehen, entweder am Kopfende oder am Fußende. Das hängt davon ab, wie das Bett im Raum steht und welche Körperseite betroffen ist. Wenn zum Beispiel die rechte Seite betroffen ist und die linke, gesunde an der Wand liegt, muss der Rollstuhl am Kopfende positioniert sein, damit die rechte Seite führen kann.

Der Betroffene sollte bei allen Transfers so viel wie möglich selbst ausführen. Die betreuende Person sollte dabei anleiten und helfen. Auch der Transfer in das Bett beziehungsweise das Aufstehen aus dem Bett soll immer über die betroffene Seite geschehen. Mit Unterstützung einer helfenden Person wird der Kranke aus einer sitzenden Position über die betroffene Seite in die Seitenlage und anschließend durch Nachführen der Beine in eine liegende Position gebracht. Beim Aufstehen ohne fremde Hilfe kommt der Patient nur so dicht an die Bettkante, dass er sich noch auf die betroffene Seite drehen kann.

Das Aufrichten erfolgt dann mit Unterstützung des gesunden Armes. Über das Becken erfolgt eine Drehbewegung, so dass die Beine aus dem Bett auf dem Boden stehen!