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Demenz

Bei Demenz handelt es sich um einen Sammelbegriff für ungefähr 55 verschiedene Erkrankungen, die unterschiedliche Ursachen haben können. Bei der Demenz kommt es zu einer chronisch fortschreitenden, degenerativen Veränderung des Gehirns, verbunden mit einem Verlust von früher erworbenen kognitiven Fähigkeiten. Dies hat Auswirkungen auf alle Bewusstseinsinhalte, wie Wahrnehmung, Erkennen, Denken, Schlussfolgern, Urteilen, Erinnern usw.

Symptome

Es gibt bei einer Demenz auch zahlreiche nicht kognitive Symptome, die meist als Verhaltensstörungen wahrgenommen werden. Diese treten häufig 30 - 40 Monate vor den kognitiven Störungen auf! Folgende nicht-kognitiven Symptome sind wahrnehmbar:

  • Apathie
  • Enthemmung
  • Aggressivität
  • Agitiertheit/Unruhe
  • Erregtheit
  • Reizbarkeit/Labilität
  • Angst
  • Depression
  • "Wandern"
  • Wahn
  • Misstrauen
  • Halluzinationen
  • Fehlidentifikationen
  • Umkehrung des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • u. a.
Herbstlicher Baum in Gestalt eines Kopfes mit davonfliegenden Blättern
Verlust der Gehirnfunktion
© freshidea / fotolia.com

Auswirkungen auf Alltagskompetenzen

Eine Demenz hat Auswirkungen auf zahlreiche Alltagskompetenzen, wie:

  • Termine einhalten
  • finanzielle Dinge regeln
  • zwei Dinge gleichzeitig tun
  • Freizeitaktivitäten ausüben
  • Verkehrsmittel benutzen
  • sich an Unterhaltungen beteiligen
  • Nachrichten entgegennehmen
  • ein Telefon benutzen
  • Einkaufen
  • Geld abzählen
  • Essen zubereiten
  • Körperpflege ausüben
  • u. a.

Kommunikation

Auch die Kommunikation wird durch eine Demenz stark verändert. So haben Menschen mit Demenz häufig Wortfindungsstörungen, auch das Bilden von Sätzen wird zunehmend schwieriger. Oft vergessen sie, was sie sagen wollten, auch können sie häufig keinem Gespräch folgen. Nicht selten sprechen sie immer weniger und ziehen sich zurück.

Im Folgenden werden hilfreiche Tipps zur Kommunikation mit einem Menschen mit Demenz gegeben:

  • einfache, kurze Sätze
  • Pausen machen
  • Zeit für Reaktion geben
  • Tonfall freundlich
  • nah herangehen
  • berühren
  • in die Augen sehen
  • mehrere Sinne ansprechen (Fotos + erzählen)
  • „Quizfragen“ vermeiden, z. B.: „Wie alt bist Du?“ besser: „Du bist jetzt 70 Jahre alt.“
  • keine W-Fragen stellen, eher Aussagen formulieren wie: „Du gehst 2 x in der Woche in die Tagespflege.“
  • Ja/Nein-Fragen stellen
  • Stichworte geben („Du bügelst doch gerne, stimmt’s?“)

Besonders wichtig in der Kommunikation und im Kontakt mit Menschen mit Demenz ist es, die Gefühle hinter Äußerungen zu verstehen und auf diese Gefühle zu reagieren. Wertschätzung, Würde und Unterstützung sind dabei handlungsleitende Grundeinstellungen.

Vom Umgang mit Menschen mit Demenz

Der Umgang mit einem Menschen mit Demenz erfordert sehr viel Ruhe, Verständnis und Einfühlungsvermögen. Hektik, Gedränge und Reizüberflutung sind zu vermeiden. Auch auf wiederholtes Fragen sollte man ruhig und freundlich antworten oder man lenkt das Gespräch auf ein anderes erfreuliches Thema. Werden ständig Gegenstände - wie Handtasche oder Geldbeutel - versteckt, verloren und gesucht, kann man darin ein Grundbedürfnis nach Ordnung erkennen. Hilfreich ist es, den Suchenden beim Suchen zu helfen, eventuell unbemerkt Dinge zurück zu legen. Streit ist in jedem Fall zu vermeiden.

An Demenz Erkrankte leben (noch/wieder) in der Vergangenheit bzw. ihre Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen miteinander. Das führt dazu, dass sie sich selbst nicht im Spiegel erkennen oder sich anziehen, um zur Arbeit zu gehen. Hier kann es hilfreich sein, das Thema Arbeit aufzugreifen, wertschätzend zu formulieren, wie schön es ist, dass Papa/Opa so lange gearbeitet hat und dass ihm die Arbeit ja immer Spaß gemacht hat. Hier die Realität anzusprechen, dass er ja schon lange in Rente sei, führt eher zu Unverständnis und negativen Gefühlen.

Menschen mit Demenz wollen kein isoliertes Leben führen. Daher ist es sinnvoll, sie in Alltagsaktivitäten, wie Betten machen, Wäsche falten, Salat zupfen, abstauben etc., einzubeziehen. Hierbei sollte man sie begleiten, ihnen die Dinge erklären und sie praktisch vormachen. Die Freude am Tun ist dabei wichtiger als die korrekte Ausführung der Tätigkeiten.

Bei der Orientierung an ihrer Lebensgeschichte/Biografie kann man die Vorlieben, Gewohnheiten, Hobbys, ihren Beruf, und andere interessante Dinge erfahren und dieses Wissen sinnvoll nutzen und dem Demenzkranken Sicherheit geben. Oft empfiehlt es sich, andere Angehörige nach diesen Dingen zu fragen. Kindheits- und Jugenderinnerungen werden am ehesten über das gemeinsame Anschauen von Fotos wach. Auch Vorlesen und das gemeinsame Backen, Riechen und Essen von z. B. Pflaumenkuchen aktivieren die Sinne und die Erinnerungen.

Cello, Violine und Flügel
Musikinstrumente
© Minerva Studio / fotolia.com

Musik zu hören und selbst zu musizieren, macht Menschen mit Demenz häufig viel Freude. Gleiches gilt für das gemeinsame Singen, da Musik auf vielen Ebenen im Gehirn gespeichert wird.

Der enorme Bewegungsdrang kann durch Spaziergänge, kleine Ausflüge, Ball spielen, Tanzen und Kegeln ausgelebt werden.

Familie mit Seniorenpaar beim Spiele spielen
Familie mit Seniorenpaar beim Spiele spielen
© Robert Kneschke / fotolia.com

Auch leichte Gesellschaftsspiele, bei denen man die Regeln vereinfacht, sind geeignet. Menschen mit Demenz sollten nicht überfordert werden. So ist z. B. Memory völlig ungeeignet.

Folgende Aspekte sind ebenfalls sehr hilfreich:

Senioren beim gemeinsamen Essen
Senioren beim gemeinsamen Essen
© Robert Kneschke / fotolia.com
zusammen essen
  • gibt Sicherheit, Geborgenheit
  • Essensmenge prüfen (Demenzkranke vergessen häufig, dass sie satt sind)
  • zum Trinken auffordern
  • zeitliche Orientierung geben
  • Fingerfood anbieten
Kontakt zu Tieren ermöglichen
  • fühlen sich verstanden
  • erzeugt Zuneigung
Zuwendung und Zärtlichkeit
  • vermitteln, dass sie wichtig sind
  • Umarmung, Berührung, Hände halten
Seniorenpaar auf dem Sofa mit einem Hund als Haustier
Senioren mit einem Hund als Haustier
© Lisa F. Young / fotolia.com
Geborgenheit und Wohlbefinden
  • Nähe zur Natur suchen, z. B. im Garten
  • gute und schöne Atmosphäre schaffen: Stille teilen, Kerzenschein
am gesellschaftlichen und sozialen Leben teilnehmen lassen
  • sind gesellig, freuen sich über Besuch
  • mitnehmen zu ausgewählten kulturellen Veranstaltungen
Struktur geben
  • Tag nicht selbst gestalten lassen (erzeugt Ängstlichkeit und fördert Rückzug des Betroffenen)
Aufeinandergelegte Hände verschiedener Generationen
Hände
© Bärbel Theis

Was hilft/entlastet die Angehörigen?

Die Angehörigen eines an Demenz erkrankten Menschen brauchen selbst viel Entlastung und Unterstützung, um möglichst lange gesund und kraftvoll zu bleiben. Die unten aufgeführten Aspekte können helfen:

  • Wissen über die Krankheit aneignen
  • die Krankheit als Tatsache annehmen
  • das eigene Verhalten und die Lebensbedingungen der Krankheit anpassen
  • für sich selbst sorgen:
    • Hinzunahme einer Sozialstation für 1 - 3 Einsätze am Tag
    • Tagespflege 2 - 3 Tage pro Woche
    • Krankengymnastik/Logopädie/Fußpflege
    • Besuchsdienste/ehrenamtliche Helfer
    • alle Familienangehörigen helfen mit!
    • aktives Fragen, um Hilfe bitten
    • nicht warten, bis Hilfe angeboten wird
    • regelmäßig Verhinderungspflege in Anspruch nehmen
    • sich eigene Freiräume suchen: Arbeit, Sport, Hobbies, Gesprächsgruppen etc.
    • niemals eigene Kontakte zu Freunden aufgeben!
    • nicht nur den Kranken den Mittelpunkt stellen, sondern auch sich selbst!
    • sich und seine Bedürfnisse ernst nehmen!
    • Humor entwickeln bzw. den Humor bewahren
Verständniskärtchen der Alzheimer Angehörigen Initiative e.V.
Verständniskärtchen der Alzheimer Angehörigen Initiative e.V.

Erzählen Sie anderen Menschen von der Erkrankung. So können alle mithelfen, die Würde eines Menschen mit Demenz zu schützen.