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Veranstaltungstipp im Juni: PfiFf-Themennachmittag „Pflege-Wohnformen“ in Berlin-Termine und Informationen finden Sie hier.

Altersdepression

Traurige ältere Frau
Traurige ältere Frau
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Depressionen können in jedem Alter vorkommen; vielfach auch erst im Alter. Typisch dabei ist, dass das erstmalige Auftreten von Depressionen im Alter häufiger vorkommt als in anderen Lebensabschnitten, die Depressionen länger andauern und oft nicht als solche erkannt oder unzureichend behandelt werden. Häufig werden diese Symptome als natürliche Folgen des Alterns und der Lebensumstände eingestuft und daher nicht ausreichend ernst genommen. Das führt dann oft zu weiteren körperlichen Erkrankungen.

Die Symptome einer Altersdepression entsprechen in etwa denen der Depression in jüngeren Jahren. Sie können auf emotionaler oder körperlicher Ebene auftreten und zu einem veränderten Verhalten oder Denken führen. Einige Symptome gleichen denen einer Demenz – daher ist die Diagnostik durch einen Facharzt/Psychotherapeuten so wichtig, um die Chance auf eine entsprechende Behandlung zu bekommen.

emotionale Ebene:

  • lang andauernde Niedergeschlagenheit und Traurigkeit
  • Gefühle von Hilflosigkeit, Einsamkeit, Schuld und Angst
  • Rückzug von und Distanz zur Umwelt
  • Interessensverlust
  • Antriebslosigkeit (Alltägliches wird zu Herausforderung)
  • negative Gedanken, Pessimismus
  • Ängste, z. B. Verarmungsängste
  • Konzentrationsstörungen
  • Denkstörungen

 körperliche Ebene:

  • Müdigkeit und Mattigkeit
  • innere Unruhe, Erregung oder Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • chronische Schmerzen u. a.
Ältere trauernde Frau bei Verlust des Partners
Ältere trauernde Frau bei Verlust des Partners
© fotolia.com

Risikofaktoren

Insgesamt kommen Depressionen bei Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen häufiger vor. Die Selbstmordrate bei den über 65-Jährigen ist am höchsten.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • der ganz normale Alterungsprozess
  • Hormonstörungen oder Störungen des Neurotransmitter-Stoffwechsels der Nervenzellen
  • im Alter auftretende Behinderungen und Einschränkungen
  • Demenz
  • Herz-Kreislauf-Krankheiten
  • organische Erkrankungen
  • schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparats
  • Krebs oder andere lebensbedrohliche Krankheiten
  • chronisch schmerzhafte Erkrankungen
  • Nährstoffmangel
  • die Einnahme bestimmter Medikamente
  • der Verlust des Partners, von Verwandten oder Freunden
  • Einsamkeit und Verlassenheit
  • das Gefühl der Nutzlosigkeit
  • das Konstatieren von nachlassender Aufnahme- und Merkfähigkeit
  • die Angst vor dem Alter - und vor dem Tod

Auch pflegende Angehörige sind aufgrund von zahlreichen belastenden Faktoren besonders gefährdet, eine Depression zu bekommen. Laut einer im Januar 2011 veröffentlichten Studie der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK), sind 17 % der pflegenden Angehörigen, d. h. jeder Sechste an einer depressiven Episode oder gar Depression erkrankt. Depressionen kommen bei pflegenden Angehörigen 3½-mal häufiger vor als bei der übrigen Bevölkerung. Als Ursachen werden die körperlichen und seelischen Belastungen der Pflege genannt, besonders wenn diese zu den üblichen Anstrengungen des Berufs- und Familienlebens noch hinzukommen. Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit und der der liebsten Menschen, mit Schuldgefühlen, Verlustängsten, mit den eigenen hohen Ansprüchen und dem eigenen schlechten Gewissen, labilisieren und destabilisieren und machen den Menschen anfälliger, an einer Depression zu erkranken. Die Untersuchung verdeutlicht, dass pflegende Angehörige sehr wachsam gegenüber der eigenen Gesundheit sein müssen.

Zum Umgang mit depressiven Menschen/Zur Prävention einer Depression

Eine Depression stellt nicht nur eine große Belastung für die betroffene Person selbst dar, sondern auch für ihr Umfeld. Eine ganz besondere Herausforderung ist sie für eine Partnerschaft. Aber auch die Pflege eines depressiven Angehörigen kann die Pflegenden leicht an ihre Grenzen bringen. Es kann sein, dass sie sich hilflos und überfordert fühlen, sowie Schuldgefühle haben.

  1. Die bedrückte oder gar aggressive Stimmung kann auf Dauer auch auf den Partner überspringen. Wichtig ist es hier, mitzufühlen ohne mitzuleiden. Dem depressiven Angehörigen ist nicht geholfen, wenn man ebenfalls depressiv wird, und sei es nur aus Mitleid. Auch ist Aggression kein probates Mittel, auf die Depression zu antworten, oft aber ein erster spontaner Impuls des Gegenübers, auf die Ohnmacht der Depression zu reagieren. Selbstverständlich darf das aggressive Gefühl nicht körperlich ausgelebt werden (Link zu Pflege-in-Not). Vielmehr ist liebevolle Abgrenzung die konstruktivste und effektivste Lösungsstrategie.
  2. Es kann leicht passieren, dass man in einer Beziehung mit einer depressiven Person zu einer Art Laien-Doktor oder Laien-Therapeut wird, dass man versucht, dem Partner mit Ratschlägen beizustehen, zu motivieren und die Depression "verschwinden zu lassen". Natürlich darf man motivieren, die Schulter zum Ausweinen sein und den Partner unterstützen, aber es ist ratsam, nie zu versuchen, einen professionellen Therapeuten zu ersetzen.

  3. Für seinen Angehörigen da sein, heißt nicht zwingend, dass man alles aufgeben und seine eigenen Bedürfnisse zurückstecken muss. Ebenso wie den Angehörigen selbst, ist es wichtig, die Depression als eine Erkrankung anzuerkennen und ernst zu nehmen. Genauso wichtig ist es aber, sich selbst ernst und wichtig zu nehmen und sich selbst nicht zu sehr in den Hintergrund zu stellen.

Sich selbst etwas Gutes zu tun, für seelischen Ausgleich zu sorgen und eigene Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen, ist von entscheidender Bedeutung, wenn man nicht selbst depressiv werden möchte. Der eigenen Prophylaxe im Sinne der eigenen seelischen Gesundheit kommt eine wichtige Rolle zu. So kann es hilfreich sein, regelmäßig zum Sport zu gehen, sich regelmäßig mit Freunden auszutauschen oder sich einer Selbsthilfe- oder Angehörigen-Gruppe an zu schließen.

Leistungen aus der Pflegeversicherung können die Pflegenden ebenfalls hilfreich unterstützen: Beispiele sind u. a. die Verhinderungspflege (stunden- oder wochenweise) oder die Tagespflege als teiltstationäre Pflege. Auch kann man sich über ehrenamtliche Besuchsdienste in seiner Nähe informieren. Die Pflegestützpunkte leisten eine neutrale, kostenlose und umfassende Beratung zu allen Themen rund um die Pflege eines Angehörigen.

Der Suche nach einem persönlichen Pflege-Netzwerk kommt bei der Entlastung und somit der Burnout- bzw. Depressionsprophylaxe eine wichtige Rolle zu. Die Pflegenden sollten sich die Frage stellen: Wer in meinem Umfeld könnte mich noch unterstützen? Pflegen kann und muss man/frau nämlich nicht alleine! Auch Nachbarn, Freunde und Bekannte und alle an der Familie Beteiligte können kleine Aufgaben übernehmen, die in der Summe eine große Entlastung darstellen.

Aktiv um Hilfe und Unterstützung zu bitten ist dabei sinnvoller, als still zu warten, dass sie angeboten wird.

Die Zeit nach der Pflege

Viele Angehörige brechen erst zusammen, wenn die Pflege vorbei ist. Oft erst nach zwei Jahren, wenn sie glauben, dass die Zeit „bereits alle Wunden geheilt hat“. Daher sollten sie sich immer wieder aktiv und bewusst die Zeit nehmen, zu trauern – während der Pflegezeit und danach. Trauergruppen können da sehr wertvoll und hilfreich sein, um sich bewusst zu verabschieden und immer wieder konstruktiv ins Leben einzusteigen.

Die Pflege eines Angehörigen bewegt sich genau zwischen diesen beiden Polen: Auf der einen Seite, sich stets ganz nah auf den zu Pflegenden einzulassen, um ihn/sie gleichzeitig loszulassen, bereits zu Lebzeiten zu trauern und sich zu verabschieden und parallel der anderen Seite zuzuwenden, sich immer wieder neu mit dem Leben zu verbinden.


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